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EOS

Erlitten am 16. November 2008

EOS
von Soeren Voima
Schauspielhaus Stuttgart

Wenn Götter die Sau rauslassen

Eos (Ursina Lardi) oder Aphrodite, die Göttin der Morgenröte, hat die ewigen Kriege satt. Sehnsüchtig beneidet sie im langen Eingangsmonolog die Menschen und beschliesst, eine von ihnen zu sein.
Menschen scheinen alles zu haben, was sie vermisst. Eine andere Ausdrucksweise wird es wohl nicht gewesen sein, denn auch auf Erden geht es munter weiter mit "saufen", "ficken", "zum Kotzen", "Scheisse"...

Göttliche Geschwisterliebe

Begleitet, beziehungsweise heimgesucht, wird Eos immer wieder von ihrer Schwester Meme und ihrem Bruder Hermes, dem Götterboten. Beide möchten sie mit unterschiedlichen Mitteln zurück ins Götterreich abschleppen.
Hermes (Catherine Stoyan) zeigt sich als cholerisches Rumpelstielzchen. Den Wortlaut seiner kreischenden Wutausbrüche verstehe ich in der sechsten Reihe nicht mehr. Ob ich dabei wohl etwas versäumt habe?
Meme (Lisa Wildmann) erscheint als kreiselförmige, aufgeblasene Gummipuppe mit blonder Vamp-Perücke und zierlichen Pumps. Sanft redet sie auf Eos ein: „Ich sah dich schon – vor lauter Leichtigkeit – ganz böse in der Scheisse landen.“
Meme spielt Posaune und verstärkt manchmal das Drei-Mann-Orchester (Jens Dohle, Jun-Lian Lin, Hans-Peter Ockert).

Göttin im Unglück

Verbale Schlammschlachten

Eos verliebt sich in einen jungen Fotografen (Florian von Manteuffel), der zusammen mit einem Paar (Marietta Meguid, Michael Stiller) in einer Porno-WG lebt. Mit den Fotos unter dem Markenzeichen „www.studentenfick.de“ finanzieren sie ihr Studium. Als sie ein Kind von ihm erwartet, rastet er aus, rennt auf die Strasse und wird überfahren.
Es ist wohl nur ihrem Zustand zuzuschreiben, dass sie ihre Göttlichkeit hergibt im Austausch für das Leben dieses Mannes. Leider kann oder will Hermes ihn nicht wieder so herstellen wie im Original.
Heraus kommt ein körperbehinderter Alkoholiker, der sich jeden Tag 1x selbst fotografiert. Diesen eigenen menschlichen Verfall gestaltet er zu seinem grossen künstlerischen Lebens-Thema (mangels anderer Themen).
Da Eos kein Auskommen mehr als Göttin findet, muss sie sich für den Familienunterhalt als Einkäuferin eines grossen schwedischen Möbelhauses abrackern. Den Vertretern der Schwellenländer diktiert sie ihre Bedingungen, begleitet von Wutausbrüchen. Hier kommt immer wieder ihre göttliche Sprache (siehe oben) durch...

Göttlicher Fingerzeig:

göttlich - gallig

Dieses Stück empfehle ich allen Liebhaberinnen des Ordinären.
Alle, die sich gern in der Fäkalsprache suhlen, kommen voll auf ihre Kosten.
Allerdings kann ich nur für den ersten Teil diesen Tipp abgeben.
Ob sich der Stil nach der Pause ändert, entzieht sich meiner Kenntnis.





EOS

von Soeren Voima

Regie: Christian Weise
Bühne und Kostüme: Ulrike Gutbrod
Musik: Jens Dohle
Dramaturgie: Kekke Schmidt
Schauspielhaus Stuttgart


Besetzung:
Eos : Ursina Lardi
Mene / Posaune: Lisa Wildmann
Hermes : Catherine Stoyan
Tim : Florian von Manteuffel
Melanie : Marietta Meguid
Jo : Michael Stiller
Kicki : Benjamin Grüter
Berger : Rainer Philippi
Micha : Martin Leutgeb
Rolf : Boris Koneczny
Alte : Gabriele Hintermaier
Sohn: Christoph Gawenda
Kranführer : Markus Lerch
Studentin / Dolmetscherin / Irina : Anne Düe
Chef der Sonderwirtschaftszone / Tuba: Jun-Liang Lin
Sohn als Kind: Elias Bendahhou / Leon Wager
Musiker: Melodica / Persussion : Jens Dohle
Musiker: Trompete / Flügelhorn : Hans-Peter Ockert

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